Nein, Ich verzeihe dir nicht.

Du stehst hinter mir, blickst mir über die Schulter, und siehst mir dabei zu, wie ich dafür kämpfe mein Leben aufzubauen. Mit viel Erfolg.
Du fragst mich, ob ich dir verzeihe.
Nein, ich verzeihe dir nicht. Ich weiß, es ist 5 Jahre her. Aber trotzdem verzeihe ich dir nicht.
Du weinst. Es ist mir egal. Deine Tränen sind mir egal.
Wieso kannst du mir nicht verzeihen? Fragst du…
Ich antworte nicht. Ich weiß genau, das ich dir niemals verzeihen werde. Niemals. Ich hasse dich abgrundtief.
Die ganze Zeit stehst du hinter mir, und beeinflusst mich, in allem was ich tue. Und ich? Ich kann dich nicht erreichen. Ich könnte alles tun, es würde dich nicht beeinflussen. Und doch tust du es jederzeit.
Die einzige Möglichkeit die ich habe ist, dich gehen zu lassen. Ich könnte dich verschwinden lassen. Für immer. Dafür bräuchte ich dir nur verzeihen.
Aber das kann ich nicht. Ich werde dir erst verzeihen, wenn ich dir das Herz raus gerissen und deine Seele verbrannt habe. Erst wenn ich dich von innen heraus zerstört und dein Leben aus dir heraus gesaugt habe. Wenn ich dich 10 mal erschossen und 100 mal mit dem Messer erstochen habe. Erst wenn ich mit dir tauschen kann, deine Taten rückgängig machen kann, und dich vollkommen verändert habe. Erst dann, Nein, nicht einmal dann, könnte ich dir verzeihen. Du siehst mich an und begleitest mich. Begleitest mich zur Arbeit, und siehst mir zu. Schläfst neben mir ein, und erscheinst in meinen Träumen.
Lass mich gehen, sagst du. Lass die Vergangenheit ruhen, sagt dein Blick.
Nein, das werde ich nicht. Sage ich.
Das kann ich nicht. Und das habe ich akzeptiert. Ich habe akzeptiert, das ich dich nicht gehen lassen kann. Weil ich dir nicht verzeihen kann. Denn egal was ich tue, ich kann nicht loslassen… Ich kann nicht von dem loslassen, was du mit deinem selbstzerstörerischen Verhalten zerstört hast. Ich kann es nicht. Nein, ich verzeihe dir nicht.
Ich weiß, es sollte einfach sein. Doch ich habe ihn gesehen. Ich habe diesen Weg gesehen. Und weißt du was? Ich sehe ihn immer noch. Ich sehe ihn vor mir. Ich sehe wie er neben mir her läuft. Sein süßer Geruch ist mir sehr nah. Aber ich erreiche ihn nicht. Denn er läuft gemeinsam mit dir… Ich kann ihn nicht erreichen, so wie ich dich nicht erreiche.
Und deine Stimme flüstert mir ins Ohr, was ich schon lange weiß, dass ich ihn niemals mehr erreichen kann.
Das weiß ich. Und Schuld daran bist du. Viele Wege kann ich beschreiten. Aber keiner gefällt mir so wie er. Denn er war meiner, meiner ganz allein. Und egal was ich tue. Egal wie ich mich fühle. Dieser schwarze brennende Klumpen in meiner Brust verschwindet einfach nicht. Und du allein bist daran Schuld. Du allein.
„Wenn du mir verzeihst, bin ich weg.“ Sagst du. Sagen alle. Ich weiß. Man sollte die Vergangenheit Ruhen lassen. Man kann sie nicht verändern. Und deswegen sollte man in die Zukunft blicken. Wie oft habe ich das schon gehört. Wie oft habe ich mir schon gedacht das ich das nicht akzeptieren kann.
Hast du gehört? Ich kann es nicht akzeptieren!
Ich drehe mich, um dir, meinem früheren Ich, ins Gesicht zu schlagen. Meine Hand gleitet durch dich hindurch, denn du gehörst zu einer anderen Zeit. Ich kann dich nicht erreichen. Doch du erreichst mich jeden Tag.
Ich vergrabe mein Gesicht in meinen Händen, fange meine Tränen auf, hebe meinen Kopf und lächle.
Denn nie wieder, werde ich mir selbst erlauben, irgendetwas zu zerstören…

Nein, ich verzeihe mir nicht.