Einsamkeit

„Es fühlt sich nicht besonders gut an.“ Sie schwenkt das Glas Rotwein und trinkt einen Schluck. Dann grinst sie ironisch. „Obwohl es das ein bisschen leichter macht, nicht wahr?“ Ihr blickt richtet sich irgendwo in die Ferne, und sie schweigt eine Weile.

„Ich habe das Gefühl, wenn ich draußen bin, starrt mich jeder an… kennst du das?“ Sie zündet sich eine Zigarette an. „Obwohl mein Verstand mir etwas anderes sagt, fühle ich mich die ganze Zeit beobachtet und höre wie sie über mich fluchen. Alle fluchen sie. Es macht mich wahnsinnig!“ Sie lacht laut. „Ist das nicht irre? Ich denke ständig alle hören meine Gedanken, ich weiß nicht warum, aber ich versuche andauernd alles dafür zu tun, dass bloß niemand etwas schlechtes denkt, und gleichzeitig denke ich, dass ich es nur noch schlimmer mache. Und in Wahrheit bemerkt mich wahrscheinlich nicht einmal jemand!“ Ihr lachen wird noch lauter, der Schall des Lachens hallt in dem leeren Zimmer zurück, als sie abrupt aufhört. Ihr Blick wirkt mittlerweile ziemlich amüsiert. “ Ach man, was ich für Ziele hatte… früher einmal. Aber die Zeit ändert einen, nicht wahr? Ich meine, natürlich habe ich diese Ziele immer noch, aber du kennst das ja.“ Während sie spricht wandert ihr Blick wieder an einen anderen Ort. Sie zieht an ihrer Zigarette und pustet den Rauch langsam aus, beobachtet seinen Weg. Er verteilt sich langsam im Zimmer, wird immer größer, bis er schließlich nicht mehr zu sehen ist. „Wie symbolisch, nicht wahr?“ Ihre Stimme wirkt heiser, sie räuspert sich. „Ich räuspere mich viel zu oft.“ Sie lächelt wieder. „Ich habe mal gelesen, das es den Stimmbändern schadet… Aber ich verliere andauernd die Stimme. Vor allem unter Menschen, in den wichtigsten Situationen.“ Sie lacht kurz. „Das klingt immer so dämlich wenn jemand etwas fragt und ich krächze vor mich hin. Total erbärmlich!“ Ihre Hände zittern doch Sie bemüht sich um ihr Lachen. Es klingt verzweifelt. Der Raum ist leer und still, bis auf das konstante Tropfen des Wasserhahns. Sie steht auf und schließt die Gardinen.

„Die Sonne hat geblendet. Also schau nicht so, mir geht es gut.“ Sie versucht vergeblich ihrem Spiegelbild die Tränen wegzuwischen. Sie gibt auf, steht auf und schenkt sich erneut Rotwein ein. „Naja, vielleicht habe ich mich auch ein bisschen beobachtet gefühlt.“ Sagt sie lächelnd und trinkt das Glas mit einem Schluck aus.